„Corona trieb die Digitalisierung voran“

Portraitfoto von Heidrun Hochreiter
Heidrun Hochreiter, Cluster-Managerin des Lebensmittel-Clusters © Business Upper Austria

10.06.2021

Heidrun Hochreiter, Cluster-Managerin des Lebensmittel-Clusters in der oö. Standortagentur Business Upper Austria, spricht im Interview über Trends und Innovationen der oö. Lebensmittelbranche.

Wo setzt die oö. Lebensmittelbranche den innovativen Fokus?

Nachhaltigkeit in allen Produktionsstufen: Rohstoffeinkauf, Entwicklung, Be- und Verarbeitung und auch in der Logistik sowie verstärkt im Vertrieb. Gerade im Verpackungsbereich werden verstärkt nachhaltige Lösungen gesucht. Verpackungsfreie Läden haben wieder eröffnet. Die Lebensmittelproduzenten richten ihren Blick bewusst auf den Einsatz nachhaltiger Rohstoffe. Corona hat die Digitalisierung vorangetrieben. Hier geht es in der Lebensmittelbranche vor allem um Online-Vertrieb, Sicherstellung der Produktion durch unterstützende digitale Methoden sowie um Qualitätsmanagement.

Welche konkreten Beispiele gibt es?

Neben der UNIBOX, dem digitalen Greißler von Unimarkt, ist das Projekt „Einkauf Smart 4.0“ zu nennen. Der Wohnbauträger WAG entwickelt mit Partnern ein Smart-Living-Versorgungskonzept für den mehrgeschossigen Wohnbau. Es geht um eine Abholstation, in der die online bestellten Lebensmittel sowohl gekühlt als auch tief- oder ungekühlt gelagert werden können. Dieses Konzept könnte den Lebensmitteleinkauf revolutionieren. Ein weiteres Projekt will aus Apfeltrester, einem Abfallprodukt der Saftproduktion, einen Rohstoff für neue Produkte machen, beispielsweise für Einweggeschirr oder Verpackungen. Außerdem wird im Hinblick auf Versorgungssicherheit der Anbau regionaler Rohstoffe forciert.

Was tut sich zu Haltbarkeit und Verpackung?

Das Projekt „MAP 2.0“ will mit neuen Schutzgasen in Verpackungen die Haltbarkeit verlängern. „Packloop“ sucht nach kreislaufwirtschaftstauglichen Verpackungen, die auch Produktschutz garantieren. Auch an der „aktiven Verpackung“ wird geforscht. Hier geht es um höhere Produktqualität durch Licht- und UV-Schutz sowie Sauerstoff-Absorber. Aktuell bereiten wir ein Branchenprojekt mit Verpackungsherstellern, Be- und Verarbeitern sowie Recyclern vor, das die Kreislauffähigkeit von Kunststoffverpackungen verbessern soll.

In der Pandemie sind regionale Lebensmittel gefragt. Woran lässt sich das im Lebensmittel-Cluster festmachen?

Der Umsatz ging bei regionalen Produkten nicht wie in andere Branchen zurück. Manche Produzenten hatten sogar ein Umsatzplus. Bioprodukte wurden ebenso wie der Direktvertrieb über Hofläden verstärkt nachgefragt. Oberösterreichische Lebensmittel sind über die Grenzen hinweg für ihre Qualität und Vielfalt im Geschmack n bekannt. Das merkten wir anhand einer Anfrage des EU-Zentrums für wirtschaftliche Zusammenarbeit: Bioproduzenten können sich für einen Export nach Japan bewerben. Bereits acht Clusterpartner nutzen diese Chance.

Wohin geht der Trend?

Nachhaltigkeit, zero waste – also keine Lebensmittel im Müll, alternative Proteinquellen – sprich: Fleischersatz, ökologischer Fußabdruck und die Nutzung von Reststoffen, die in der Produktion anfallen.

Wie unterstützt der Lebensmittel-Cluster die oö. Lebensmittelbranche?

Wir initiieren und begleiten innovative Projektideen. Wir unterstützen beim raschen Reagieren auf veränderte Marktanforderungen z. B. durch Qualifizierung im Digitalisierungsbereich. Wir übernehmen die Vermittlerrolle bei Marktanfragen. Und wir unterstützen beim Erreichen der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, die auch die Bundesregierung in ihre Agenda 2030 aufgenommen hat.

Des Interview erschien im Kronejournal Wirtschaft, Innovation und Forschung Mai 2021.
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