Die Revolution im Gelben Sack

An der Montanuniversität Leoben wird im Bereich der Abfallwirtschaft verfahrens- und verwertungsorientiert geforscht
An der Montanuniversität Leoben wird im Bereich der Abfallwirtschaft verfahrens- und verwertungsorientiert geforscht © Montanuniversität Leoben
Rezyklat-Probe aus dem OFI Verpackungslabor
Rezyklat-Probe aus dem OFI Verpackungslabor © ACR/schewig-fotodesign
Ing. Michael Krainz, Experte am OFI im Bereich Verpackung & Lebensmittel, am Messgerät für Sauerstoffpermeation
Ing. Michael Krainz, Experte am OFI im Bereich Verpackung & Lebensmittel, am Messgerät für Sauerstoffpermeation © ACR/schewig-fotodesign
Univ.-Prof. DI Dr. mont. Roland Pomberger, Montanuniversiät Leoben
Univ.-Prof. DI Dr. mont. Roland Pomberger, Montanuniversiät Leoben © Montanuniversiät Leoben

20.09.2022

Folien als Lebensmittelverpackungen sind beim Recycling bisher „Problemkinder“. Besonders Mehrschichtfolien mit ihren komplexen Materialkombinationen können derzeit noch nicht mechanisch recycelt werden. Was notwendig ist, damit auch Folien zu hochwertigen Rezyklaten wiederverwertet werden können, erforscht nun das Projekt „flex4loop“. Im Projektteam sind der Lebensmittel- und Kunststoff-Cluster der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria, das Österreichische Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI) und die Montanuniversität Leoben.

Ab 2025 muss in Österreich die Hälfte aller Kunststoffverpackungen recycelt werden. Fünf Jahre später sind es dann 55 Prozent. Aktuell liegt die Recyclingquote erst bei 25 Prozent. Um die gesetzlich erforderliche Quote zu erreichen, werden ab dem 1. Jänner 2023 österreichweit einheitlich alle Kunststoffverpackungen in der Gelben Tonne bzw. im Gelben Sack gesammelt. Folienverpackungen spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie mit einem Anteil von 50 Prozent die mengenmäßig bedeutendste Verpackungsart von Lebensmitteln sind. 47 Prozent davon sind Mehrschichtfolien.


Beliebte Verpackungsart stellt Problem dar

Diese Mehrschichtfolien können bisher nicht mechanisch recycelt werden, weil sie aus komplexen Materialkombinationen bestehen. Das ergibt sich aus den multifunktionalen Anforderungen, die diese Lebensmittelverpackungen zu erfüllen haben, wie beispielsweise geringes Gewicht, Lichtschutz, Gasundurchlässigkeit und mechanischer Schutz.

„Monomaterialfolien, welche die hohen Lebensmittelverpackungsanforderungen erfüllen, sind grundsätzlich zwar gut rezyklierbar, können in der Sortierung derzeit aber schlecht von Mehrschichtfolien getrennt werden. Daher werden sie meist gemeinsam für geringwertige Rezyklate verwendet oder thermisch verwertet“, erklärt Roland Pomberger von der Montanuniversität Leoben.

Alle müssen einbezogen werden

Das Forschungsprojekt „flex4loop“ bezieht die gesamte Wertschöpfungskette mit ein: vom Verpackungs- und Etikettenhersteller über lebensmittelabpackende Betriebe, Handel, Sammler und Sortierer, Recycler bis zu den Maschinenherstellern. Im Fokus stehen kleinteilige, recyclingfähige Folien aus Polyethylen oder Polypropylen mit oder ohne Gasbarriereschicht (EVOH, SiOx, AlOx, Metallisierung) für Beutel- und Tiefziehanwendungen für Lebensmittel. Forschungsziele sind unter anderen, ob und wie Design for Recycling umgesetzt werden kann, sodass daraus wieder hochwertige Rezyklate hergestellt werden können. Das Forschungsteam untersucht außerdem die Voraussetzungen für das praxistaugliche und sortenreine Sortieren der Leichtverpackungsfraktion. Ziel sind neue oder adaptierte Prozesse zur Herstellung qualitätsstandardisierter Rezyklate. Dazu wird auch der Einfluss von Störfaktoren wie Etiketten, Klebstoffen, Druckfarben oder polymeren Verunreinigungen beim Recyceln untersucht.


Hochwertige Rezyklate für nachhaltige Verpackungen

„Das Forschungsprojekt leistet einen wichtigen Beitrag, damit wir in Österreich die geforderten Recyclingquoten erreichen“, sagt Michael Krainz vom Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI).

Er erklärt aber auch:

„Der Einsatz der Polyolefin-Rezyklate im direkten Lebensmittelkontakt ist aus rechtlichen Gründen derzeit nicht möglich, da Polyolefine keine EFSA-Zulassung haben – und ob sich dies in naher Zukunft ändert, ist fraglich.“

Die neuen qualitätsstandardisierten Rezyklate bieten aber vielfältige Einsatzmöglichkeiten für andere nachhaltige Verpackungslösungen, die von den Konsumentinnen und Konsumenten immer mehr gefordert werden.

„Mit flex4loop wird es Herstellern ermöglicht, diese Forderungen qualitätsgesichert zu erfüllen“, ergänzt Krainz.


Vorteile auch für die Wirtschaft

„Die Erkenntnisse und Empfehlungen aus flex4loop sollen in einem Leitfaden der gesamten Branche zur Verfügung stehen und so zum Erreichen der EU-Kreislaufwirtschaftsziele wesentlich beitragen“, betont Christian Mayr, Projektmanager im Kunststoff-Cluster.

 

Dieses von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützte Projekt wird vom Lebensmittel- und Kunststoff-Cluster der oö Standortagentur Business Upper Austria geleitet und wissenschaftlich von OFI und der Montanuniversität Leoben begleitet.


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Christian Mayr

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Projektmanagement

Fachbereiche: Circular Economy, Extrusion, Recycling

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Nina Feilmeier, MSc - Cluster-Managerin Lebensmittel-Cluster Business Upper Austria -  die Standortagentur des Landes Oberösterreich

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