Corona-Krise gefährdet regionale Lebensmittel-Handwerker

Bundesinnungsmeister Willibald Mandl (links) und LR Max Hiegelsberger machen auf die bedrohlichen Umsatzrückgänge bei regionalen Lebensmittel-Handwerkern aufmerksam. (Aufnahme vom Dezember 2019) © Land OÖ/Sabrina Liedl
Bundesinnungsmeister Willibald Mandl (links) und LR Max Hiegelsberger machen auf die bedrohlichen Umsatzrückgänge bei regionalen Lebensmittel-Handwerkern aufmerksam. (Aufnahme vom Dezember 2019) © Land OÖ/Sabrina Liedl

01.04.2020

Gerade in der aktuellen Situation entdecken die Menschen den Wert der regionalen Lebensmittelversorgung. Gleichzeitig bedrohen wegfallende Umsätze regionale Handwerksbetriebe wie Bäckereien und Fleischereien. Nur der Einkauf beim regionalen Nahversorger verhindert drohende Insolvenzen.

Lebensmittel-Handwerker leiden unter Umsatzrückgang

„Wir haben geöffnet!” Bäcker, Fleischhauer, Konditoren und verarbeitende Betriebe sichern die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln auch in der aktuellen Krise. Der Wegfall von Kunden aus Gastronomie, Hotellerie und Catering, sowie das stark rückläufige Jausengeschäft durch weniger Berufstätige und Schulschließungen machen den Lebensmittel-Handwerkern aber große Sorgen.

Durch die verstärkte Tendenz der Konsumenten, gleich auch Fleisch, Wurstwaren, Brot, Gebäck und Mehlspeisen im Supermarkt einzukaufen, haben Handwerksbetriebe mit bis zu 90 Prozent Umsatzrückgang zu kämpfen.

„Die Entwicklung der Corona-Virus-Infektionen lässt kein baldiges Ende des österreichweiten Notbetriebs erwarten. Auf Dauer können unsere handwerklichen, oft klein strukturierten Handwerksbetriebe den aktuellen Umsatzrückgang aber nicht verkraften. Unter Einhaltung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen sollten Einkäufe daher verstärkt bei lokalen Betrieben getätigt werden. Viele Betriebe bieten bereits Lieferdienste an, Bäckereien halten auch die traditionellen Gaifahrten aufrecht oder beleben diese wieder. Es spricht auch nichts dagegen, gleich einmal für eine oder zwei Wochen im Voraus Brot und Backwaren zu kaufen und dann einen Teil einzufrieren. So können die Einkaufswege ebenfalls reduziert werden und trotzdem die regionalen Nahversorger unterstützt werden. Damit unsere Versorgung auch in Zukunft gesichert bleibt“, so Landesrat Max Hiegelsberger.

Über 500 Betriebe sichern die Nahversorgung in Oberösterreich

Während dieser Tage die Versorgung im Einzelhandel Thema Nummer eins ist, passiert der wesentlichste Teil der Versorgungskette abseits der Schlagzeilen: Die Produktion der Lebensmittel. Denn schließlich muss Fleisch fachgerecht verarbeitet werden, um anschließend als Schnitzel oder Wurst auf unseren Tellern zu landen. Das gleiche gilt für die Herstellung von Back- und Teigwaren, Fisch und Feinkost, Milchprodukten und vielen anderen Lebensmitteln. Damit dies weiterhin gewährleistet ist, sind in Oberösterreich die verarbeitenden Handwerksbetriebe wie Bäcker und Fleischhauer unermüdlich im Einsatz. „Seit Wochen herrscht Verunsicherung: Gibt es genug Lebensmittel? Diese Sorge mag verständlich sein, ist aber unbegründet: Der Nachschub an frischen und handwerklich produzierten Lebensmitteln ist in Oberösterreich gesichert.

Unsere Handwerksbäcker, Konditoren, Meisterfleischer, Müller und alle anderen Nahrungsmittelproduzenten sind auch in der Krise Garanten für die tägliche Versorgung mit besten Lebensmitteln. Sie arbeiten mit höchster Einsatzbereitschaft für den täglichen Nachschub an frischen und regionalen Lebensmitteln. Tatsache ist aber, dass viele Betriebe durch den aktuellen Umsatzrückgang in ernsthafte Schwierigkeiten kommen. Die Kundenfrequenz in den Verkaufslokalen hat sich drastisch verringert. Viele Bäcker bemühen sich um neue Vertriebswege. Entscheidend ist aber das Bekenntnis seitens der Konsumentinnen und Konsumenten zu ihren lokalen Lebensmittelversorgern“, so Bundesinnungsmeister KommR. Willibald Mandl.

Oster-Einkäufe vor Ort erledigen

Die Osterfeierlichkeiten sind für Fleischereien, Bäckereien und Konditoreien ein wichtiger Teil des jährlichen Gesamtumsatzes. Osterschinken, Weihbrot, Osterpinzen und Osterlämmer, Schokoeier, Schokohasen und Süßspeisen machen das Osterfest erst zu einem gelungenen Fest. „Ich appelliere an die Bevölkerung, die Ostereinkäufe vor Ort beim lokalen Bäcker, Konditor und Fleischer zu erledigen. Vieles kann mit Vorbestellung telefonisch erledigt werden, was bei Sonderprodukten wie dem Weihbrot ohnehin üblich ist. Mit einem Gang zum lokalen Bäcker und Fleischer kann gleich der Bedarf für die gesamten Osterfeiertage abgedeckt werden. Auch wenn das Osterfest heuer nur im Kleinen gefeiert werden kann, so bringen regionale Genüsse trotzdem viel Freude ins Haus“, so Willibald Mandl.

Regionale Wertschöpfungsketten in der Lebensmittelversorgung erhalten

Gerade in Zeiten der Isolierung  ganzer Regionen zeigt sich, wie wichtig die handwerkliche Lebensmittelproduktion vor Ort ist. Eigenständig und unabhängig von Grenzkontrollen, langen Lieferketten oder überforderter Logistik sind es die Nahversorger, die weiterhin hochwertige Grundnahrungsmittel produzieren können. „Die kleinen und mittelständischen Lebensmittelerzeuger sind oft eng verbunden mit der Landwirtschaft und bilden dadurch eine lokal verankerte und krisensichere Lebensmittel-Infrastruktur. Die enge Kooperation ermöglicht auch eine höhere Wertschöpfung in der Landwirtschaft. Gerade jetzt, wo der Wert regionaler Wertschöpfungsketten wieder neu entdeckt wird, sollte diese Versorgung nicht in die Brüche gehen. Das wäre eine äußerst negative Folge der aktuellen Krise und würde uns für zukünftige Herausforderungen verwundbarer machen. Daher braucht es nun unser aller Engagement für die Lebensmittelhandwerker vor Ort“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.


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