Nahversorgung in bäuerlicher Hand

Eröffnung des KastlGreisslers Aistersheim

Drei Personen stehen nebeneinander und blicken in die Kamera
Gerald Gross, Geschäftsführer von KastlGreissler, Mag.a (FH) Katharina Schmickl, KastlGreisslerin in Aistersheim, und Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger eröffnen den neuen Standort in Aistersheim. © Land OÖ / Andreas Maringer

17.06.2021

Die Corona-Pandemie hat im Bereich der Lebensmittelversorgung erfreuliche Nachwirkungen. Die Menschen legen mehr Wert auf einen nachhaltigen Lebensstil und schauen bei den Lebensmitteln vermehrt auf die Herkunft und kurze Transportwege. Vermarktungswege abseits des klassischen Lebensmitteleinzelhandels blühen auf. 

„Die Einschränkungen im Lockdown aber auch die generelle Erkenntnis, wie verletzlich unsere Systeme sind, wirken bei den Menschen im Land nach. Mehr Zeit für den Lebensmitteleinkauf und das Kochen haben den anhaltenden Trend zur Regionalität noch einmal deutlich befeuert. Ob Food-Coops, Hofläden, Wochenmärkte oder Selbstbedienungsläden – die Menschen möchten Lebensmittel aus ihrer nächsten Umgebung beziehen und die ProduzentInnen kennen lernen. Für die Landwirtschaft ist das ein sehr erfreulicher Trend, stärkt er doch die Einkommensmöglichkeiten auf den Betrieben“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Nahversorgung sichern

Besonders in Gemeinden, in denen ein Lebensmittelhändler fehlt, bieten Kleinstläden in Containerform eine gute Alternative. Hier kommen Lebensmittel aus der Region richtig zur Geltung, gleichzeitig werden auch andere Warengruppen wie Hygiene-Artikel auf den 13 Quadratmetern KastlGreissler-Verkaufsfläche angeboten. Softwarelösungen im Bereich Abrechnung und Lagerhaltung erleichtern den BetreiberInnen den Einstieg in den Lebensmittelhandel.

„KastlGreissler bietet ein umfassendes und bereits gut erprobtes Gesamtpaket für den Einstieg in die Lebensmittelversorgung. Die bauliche Lösung eines umgebauten Containers ist variabel einsetzbar und macht sich auch am Dorfplatz wie hier in Aistersheim gut. Besonders direktvermarktende Landwirtschaftsbetriebe können sich damit einen zusätzlichen Absatzkanal eröffnen und die Nahversorgung in ihren Regionen sichern. Es ist sehr beachtlich, dass wie hier in Aistersheim mit der neuen KastlGreissler Box nicht nur wieder eine Nahversorgung gegeben ist, sondern weit mehr als die Hälfte der angebotenen Ware auch wirklich von ProduzentInnen aus nächster Nähe kommt. Im Gegensatz zu anderen Selbstbedienungssystemen steht bei KastlGreissler der Franchisenehmer, ob LandwirtIn oder Kaufmann, persönlich für die Regionalität der Produkte und den fairen Umgang mit den Lieferanten ein“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Genussland Oberösterreich stark vertreten

Bereits am ersten KastlGreissler Standort der Familie Schmickl in St.Georgen bei Grieskirchen bereichern neun Genussland-Produzenten das Sortiment. Am neuen Standort sind noch zwei weitere Lieferanten hinzugekommen, sodass insgesamt knapp 100 Produkte aus dem Genussland-Sortiment zu erwerben sind. „Rund ein Fünftel aller Produkte am neuen KastlGreissler-Standort stammen von Genussland- 4 Produzenten, das ist wohl einsamer Rekord. Es zeigt, wie diese neuen Arten des Lebensmittelhandels die Regionalität beflügeln. Die Bäuerinnen und Bauern nehmen die Vermarktung ihrer hochqualitativen Produkte wieder selbst in die Hand und schließen damit kleinräumige Wirtschaftskreisläufe. Regional und digital ergänzen sich gegenseitig optimal“, erläutert Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Die Aistersheimer KastlGreissler stellen sich vor

Familie Schmickl betreibt selbst eine Landwirtschaft und vermarktet die Produkte wie beispielsweise Popcorn und Kürbiskernöl direkt an die KonsumentInnen. Mit dem KastlGreissler wurde nun die Möglichkeit ergriffen, die eigenen Produkte über einen neuen Vertriebsweg zu vermarkten und einen weiteren Schritt in der Betriebsentwicklung zu gehen. „Der KastlGreissler hat mich angesprochen, da die Regionalität aber auch die Vielfalt im Zuge des Slogans (Alles was du täglich brauchst) aufgegriffen wird. Neben den regionalen Lebensmitteln gibt es beispielsweise auch Hygieneartikel oder saisonale Produkte wie die Grillkohle. Mir als Franchisenehmerin gefallen die Zusammenarbeit mit den vielen Produzenten und auch die Anpassungsmöglichkeit der Shops auf die jeweiligen Standorte“, so Katharina Schmickl.

Als erste Lieferanten kamen bereits bekannte ProduzentInnen mit an Bord. Dieser Kreis erweiterte sich schnell. „Durch Gespräche mit Freunden und Bekannten kamen wir dann schnell zu weiteren ProduzentInnen. Als der KastlGreissler in Stritzing aufgestellt wurde, wurden auch noch weitere Lieferanten auf uns aufmerksam und haben mich kontaktiert. Auch über die Presse oder durch ein Ausschreiben von der Landwirtschaftskammer bekam ich einige Anfragen“, erzählt Schmickl: „Die Kooperation mit den Lieferanten verläuft auf vielfältigen Wegen. Ein paar liefern direkt in den Shop, einige zu mir nach Hause und von anderen hole ich die Produkte selbst ab. Die Zusammenarbeit funktioniert derzeit sehr gut, wir sind sehr zufrieden.“ Das Ziel ist daher klar: „Unser Ziel ist es, 5 in den nächsten Jahren noch ein paar KastlGreissler Shops in unserer Region zu eröffnen.“ 

Entwicklung des Projekts KastlGreissler

Im Vergleich zu anderen Start-ups kann der KastlGreissler auf eine umfassende und erfolgreiche Testphase zurückblicken. Mehr als vier Jahre lang hat Markus Wegerth, einer der Geschäftsführer des Unternehmens, mit bis zu zehn Standorten im Weinviertel (unter dem Namen MoSo-Markt) den Beweis erbracht, dass diese neue Art der Nahversorgung angenommen wird. Laufend kamen weitere Standorte hinzu und die Unternehmensentwicklung wurde Schritt für Schritt vorangebracht.

Bei „2 Minuten 2 Millionen“ überzeugte das Projekt den Nachhaltigkeitsexperten und Investor Martin Rohla. Gemeinsam mit dessen Firmenpartner Christoph Mayer (goodshares consulting) und dem neuen Geschäftsführer Gerald Gross wurde das einzigartige Konzept weiter entwickelt. Mit neuem Namen, neuem Außenauftritt, neuem Ladenbau und zahlreichen weiteren Verbesserungen wie modernem Kassen- und Überwachungssystem und einer Sortimentserweiterung ist das Ziel klar: Zukünftig sollen noch mehr Menschen in den Genuss hochqualitativer Nahversorgung kommen.

„Mit der heutigen Eröffnung betreiben 6 Franchisenehmer insgesamt 14 KastlGreissler. Der 15. Shop wird am 25. Juni im Burgenland eröffnet. Zwei neue Franchisenehmer, beide in Niederösterreich, werden im September ihre ersten Shops eröffnen“, erläutert Geschäftsführer Gerald Gross: „Unser Ziel ist einfach erklärt: wir wollen den Anteil an regionalen Produkten in den täglichen Einkaufskörben erhöhen. Schon heute finden über 220 regionale Produzenten im KastlGreissler einen zusätzlichen, attraktiven Vertriebsweg. Bis Jahresende werden in Österreich 40 KastlGreissler offen sein, bei positiver Entwicklung könnten 2023 bereits 120 Container über ganz Österreich verstreut zu finden sein.“