Das Mühlviertel duftet bald nach Provence

Lavendel Feld Thaller November mit Grünstreifen in Sarleinsbach © Biokompetenzzentrum Schlägl
Auf den Feldern der Familie Thaller in Sarleinsbach zeigten sich im November die ersten Lavendelpflanzen. © Biokompetenzzentrum Schlägl
Karl Dirnberger sitz an einem Tisch und lächelt in die Kamera © privat
Karl Dirnberger, Geschäftsführer der Österreichischen Bergkräutergenossenschaft © privat
Portrait Foto von Julia Hochreiter © Biokompetenzzentrum Schlägl
Julia Hochreiter, Mitarbeiterin am Biokompetenzzentrum Schlägl © Biokompetenzzentrum Schlägl
Johannes Mittermair auf einer landwirtschaftlichen Maschine sitzend © Johannes Mittermair
Johannes Mittermair entwickelt geeignete Maschinen für den Lavendelanbau im Mühlviertel und baut die Pflanze auf den eigenen Feldern an. © Johannes Mittermair
Lavendel Pflanze gewachsen im November © Biokompetenzzentrum Schlägl
Im November zeigten sich die ersten Lavendelpflanzen auf den Feldern im Mühlviertel. © Biokompetenzzentrum Schlägl
Felder nach der ersten Pflanzung des Mühlviertler Granit-Lavendels © Biokompetenzzentrum Schlägl
So sahen die Felder nach der ersten Pflanzung des Mühlviertler Granit-Lavendels aus. © Biokompetenzzentrum Schlägl
Auf einem Feld arbeitende Menschen © Biokompetenzzentrum Schlägl
Im September 2020 wurden auf den Feldern der Familie Falkinger in Putzleinsdorf die ersten Lavendelpflanzen angebaut. © Biokompetenzzentrum Schlägl

04.02.2021

Lavendel aus dem Mühlviertel? Ein Pilotprojekt im Lebensmittel-Cluster der oö. Standortagentur Business Upper Austria macht’s möglich: Drei Partner arbeiten daran, den Lavendelanbau im Mühlviertel zu etablieren, Ernte- und Aufbereitungstechniken zu entwickeln sowie innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Mühlviertler Granit-Lavendel soll zum neuen Markenzeichen für die Region werden.

Die ersten zarten Triebe sprießen da und dort schon aus dem Boden. Denn bereits im September wurden Lavendelpflanzen angebaut. Lavendel kann sowohl im Herbst als auch im Frühling gepflanzt werden. Um den besten Zeitpunkt für das Pflanzen im Mühlviertel herauszufinden, erfolgt der zweite Teil der Pflanzung im Mai. Im Sommer erwarten die Projektpartner bereits eine erste kleine Ernte, im Sommer 2022 soll diese schon größer ausfallen. Doch warum soll der Lavendel ausgerechnet im Mühlviertel gedeihen?

Nachfrage steigt

Der Lavendel zählt zu den bekanntesten Heilkräutern Europas und findet sich auf dem österreichischen Markt in vielen Produkten wieder. Der angenehme Duft und das Aroma wirken beruhigend beim Einschlafen. Lavendel hilft auch bei kleinen Hautverletzungen. Lavendelblüten verschönern und aromatisieren Bio-Tees und Bio-Gewürze. In der Küche kommt Lavendel u.a. beim Brotbacken, als Sirup oder im Salat zum Einsatz. Da gesunde Ernährung, Naturkosmetik und Naturheilkunde im Trend liegen, erfreuen sich Lavendelprodukte großer Nachfrage. Derzeit wird der Bedarf durch Importe gedeckt. Die Klimaerwärmung könnte eine Chance sein, die wärmeliebende Pflanze aus der Provence auch in Österreich heimisch zu machen und zu kultivieren.

Klimawandel als Chance

„In Frankreich, Bulgarien und Spanien haben die Produzenten wegen der Trockenheit mit Schädlingsbefall und Ernteausfällen zu kämpfen. Da unser Firmen-Credo auf Regionalität basiert, wollen wir auch exotische Rohstoffe wie Lavendel von lokalen Produzenten aus dem Mühlviertel beziehen. Damit unterstützen wir unsere Landwirte, fördern die Biodiversität im Mühlviertel und stärken unsere Marke Bergkräuter“ erklärt Karl Dirnberger, Geschäftsführer der Österreichischen Bergkräutergenossenschaft in Hirschbach im Mühlkreis. Der Anbauberater der österreichischen Bergkräutergenossenschaft, Alois Resch, begleitet und koordiniert die Umsetzung auf den Feldern und Karl Dirnberger ist als Projektkoordinator für die Qualitätsprüfung und Produktentwicklung verantwortlich.

Innovation gefragt

Und es gibt noch einen Grund, warum Dirnberger den Lavendel für seine Produkte lieber aus der Region beziehen will: Für Tees oder Gewürze wird die Lavendelblüte verarbeitet, das Gewinnen des ätherischen Öls steht hier nicht im Fokus. Die Blüten müssen daher dem österreichischen Lebensmittelstandard entsprechen. Da es um Bio-Produkte geht, müssen die Blüten mikrobiologisch einwandfrei, pestizid- und giftfrei sein. Und die Blüten dürfen weder gequetscht noch beschädigt werden – weder bei der Ernte, noch beim Trocknen, noch beim Verarbeiten. Dafür braucht es innovative Lösungen.

Zukunftsfähiges Standbein schaffen

Das Biokompetenzzentrum Schlägl (ein Kooperationsprojekt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL Österreich und des Absolventenverbands der Bioschule Schlägl) begleitet die Anbauversuche bei sechs Landwirt*innen auf wissenschaftlicher, fachlicher und praktischer Ebene. Julia Hochreiter, Mitarbeiterin am Biokompetenzzentrum Schlägl, ist auch für den Aufbau und den Transfer des Know-hows zuständig: „Um den wärmeliebenden Lavendel im Mühlviertel zu kultivieren, müssen wir nach geeigneten Sorten und Anbaumethoden suchen und die dazu passende Ernte- und Aufbereitungstechnik für die gesamte Produktkette entwickeln. Ziel ist, angesichts des Klimawandels wirtschaftlich rentable, klimaangepasste neue Betriebszweige für die kleinstrukturierte Landwirtschaft im Mühlviertel zu etablieren.“

Schonende Erntetechnik gesucht

Da der Fokus auf der Produktion der Blüte liegt, muss eine neue und schonendere Erntetechnik nahe der Handernte entwickelt werden. Statt der gängigen Technik mit Abmähen und Häckseln ist eine lebensmittelechte Erntetechnologie das Ziel des Projekts. Denn beim Häckseln werden die Lavendelblüten zerkleinert und entsprechen nicht mehr den Qualitätskriterien für die Produktion von Lebensmitteln. Außerdem sind die gängigen Maschinen nicht für die im Mühlviertel passende einreihige Ernte geeignet. Trotzdem braucht es für eine effiziente Trocknung und um die Qualitätsstandards zu erreichen, ein automatisiertes System. Denn bei „einfacher“ Lufttrocknung könnte eventuell die mikrobiologische Belastung zu hoch sein.

Automatisierte Lösungen

Nach dem Trocknen geht es um die präzise Trennung von Blatt, Blüte und Stängel. Da bei den österreichischen Bergkräutern bisher nur Blattkräuter aufbereitet wurden, gibt es dafür noch keine geeignete Technik. Kleinere Lavendelproduzenten trennen häufig noch händisch. Doch in diesem Projekt soll auch dafür eine geeignete Automatisierungslösung gefunden werden. Hier kommt der Maschinenbauer Johannes Mittermair aus Schönegg ins Spiel. Er entwickelt gemeinsam mit den Landwirt*innen geeignete Kultivierungs-, Ernte-, und Aufbereitungstechniken.

Pionierarbeit als Chance

Der Unternehmer freut sich auf die Pionierarbeit, die er in einem neuen Geschäftszweig leisten kann: „Das Projekt gibt mir die Chance, mich und mein Unternehmen als Spezialisten für kleinstrukturierte Lavendelkulturführung, -ernte und -aufbereitung zu etablieren. Dadurch werden wir gegenüber großen Maschinenbautechnikern konkurrenzfähig und können wachsen. Das steigert die regionale Wertschöpfung, schafft Arbeitsplätze und sichert diese.“ Mittermair baut auch auf seinen privaten Feldern Lavendel an, um auf einer betriebseigenen Versuchsfläche praxistaugliche Lösungen zu erproben und zu entwickeln.

Regionale Wirtschaft und Umwelt stärken

Der regionale Rohstoff Mühlviertler Granit-Lavendel als Alternative zum Import wird regionale Wirtschaftskreisläufe fördern, indem die gesamte Wertschöpfung in der Region erfolgt – über die gesamte Produktionskette hinweg von der Rohstoffproduktion über die Verarbeitung bis hin zum fertigen Produkt. Die blütenreichen Pflanzen sind außerdem eine Nahrungsquelle für Insekten. So leistet der Lavendel einen Beitrag zur Biodiversität im Mühlviertel. Gleichzeitig werten die Lavendelfelder die Kultur- und Agrarlandschaft auf und erhöhen die Chancen auf sanften Tourismus in der Region.
 

Dieses Projekt wird aus Mitteln der oö. Wirtschafts- und Forschungsstrategie #upperVISION2030 vom Land OÖ gefördert.
 


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Daniel Rogl, BSc

DI Daniel Rogl

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