Wie Logistik zum Wettbewerbsvorteil wird

Gastbeitrag des Verein Netzwerk Logistik (VNL Österreich)

Logistikleiter Günter Heimbuchner (li) und Trainee Andreas Kölblinger mit dem Intelligent Guided Vehicle von Agilox © VNL Österreich
Logistikleiter Günter Heimbuchner (li) und Trainee Andreas Kölblinger mit dem Intelligent Guided Vehicle von Agilox © VNL Österreich
Die beiden Logistiker vor der halbautomatischen Handsortierung: Rund um den manuellen Sortierarbeitsplatz wurde die Abläufe automatisiert © VNL Österreich
Die beiden Logistiker vor der halbautomatischen Handsortierung: Rund um den manuellen Sortierarbeitsplatz wurde die Abläufe automatisiert © VNL Österreich

26.11.2019

Täglich verlassen 1,3 Millionen Produkte auf rund 2.000 Paletten das Werk des Lebensmittelproduzenten Spitz in Attnang-Puchheim. Mit einer innovativen Logistik und steigendem Automatisierungsanteil stellt sich Logistikchef Günter Heimbuchner den Herausforderungen, die modernste Produktionsanlagen und laufende Erweiterungen der Produktionskapazitäten des seit mehr als 160 Jahren bestehenden Traditionsunternehmen mit sich bringen.  

Die Erweiterung des Hochregallagers, welches die Kapazitäten der derzeitigen Außenlager integriert, ist eines der nächsten Projekte, das Heimbuchner in Angriff nehmen wird. „Die Erweiterung um die Stellplätze wäre relativ einfach. Aber die Erneuerung des Lagerverwaltungssystems und der Austausch des Materialflussrechners erhöhen die Herausforderung, da der laufende Betrieb gesichert sein muss“, sagt Heimbuchner.

Wirtschaftlichkeit im Fokus

„Um wirtschaftlich zu bleiben, müssen wir unsere Prozesse effizient gestalten. Daher eruieren wir laufend, wo es Automatisierungsmöglichkeiten gibt“, so Heimbuchner. Und weiter: „Darunter verstehen wir aber nicht, denselben Ablauf zu automatisieren, sondern die Abläufe auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls auch tief einzugreifen.“ Deshalb entwickelt Heimbuchner mit seinem Team zunächst eine Vision von einem idealen Zustand, um die künftigen logistischen Notwendigkeiten abzubilden. Abläufe anschauen, vereinfachen und dann automatisieren, so die Prämisse. Das erhöht die Geschwindigkeit in der Implementierung.

Pragmatische Lösungen

Dass Effektivität und Agilität intelligent und pragmatisch realisiert werden, verdeutlichen zahlreiche Umsetzungsbeispiele bei Spitz. Dank einer vollautomatischen Nachschubsteuerung erscheint das Material beispielsweise nun bedarfsgerecht aus dem Lager und orientiert sich an der Geschwindigkeit der Produktion. Eine manuelle Bestellung ist nicht mehr nötig. Vor zwei Jahren hat Spitz in eine Sortieranlage investiert. Das Umfeld, in der die MitarbeiterInnen arbeiten, wurde automatisiert, der Arbeitsplatz für die Sortierung von Waren im Karton blieb manuell. Das Mischen von Waren im Karton bietet einen Mehrwert für den Handel, die Handsortierung ist eine wesentliche Kompetenz. Zudem ist Rückverfolgbarkeit der Waren Pflicht und muss auch nach mehrmaligem Mischen gewährleistet sein.

„Oft ist es ja nur das richtige Aneinanderstellen von Anlagen, die es schon gibt – die richtige Kombination macht es aus.“

Günter Heimbuchner, Logistikchef bei der S.Spitz GmbH

Fahrerloser Transportroboter

Für die Automatisierung der Produktionslogistik im Bereich der Backwarenherstellung hat Spitz jüngst in einen fahrerlosen Transportroboter investiert. Das „Intelligent Guided Vehicle“ von Agilox kommt gänzlich ohne übergeordnete Infrastruktur, wie zum Beispiel einem Leitrechner, aus und kann ohne bauliche Maßnahmen und Hallenvermessungen navigieren. Transportaufträge werden von den Mitarbeitern über die bereits vorhandenen Barcode-Scanner an das Agilox-System gesendet. Die hochpräzise Indoor-Lokalisierungstechnologie ermöglichte es, innerhalb weniger Stunden den gesamten Produktionsbereich der Süß- und Backwarenherstellung einzulernen und zu digitalisieren. Der Transportroboter wird an die Konturen seiner Umgebungen angelernt führt schon nach kurzer Zeit Transport- und Handlingaufgaben nach vordefinierten Workflows durch. Typische Aufgaben sind die Versorgung der Produktionslinien mit Verbrauchsmaterial oder der Abtransport der Fertigwaren zu einem zentralen Übergabepunkt an das Hochregallager.

Die einfache Bedienerfreundlichkeit ermöglicht, den Agilox zu rufen und einen der definierten Aufträge zu erteilen, zum Beispiel fertig palettierte Ware an ein Zwischenlager oder zum Übergabepunkt an das Hochregallager zu schicken. Die Transportaufträge landen im System von Agilox und werden nach Prioritäten abgearbeitet, die sich z.B. von der Anzahl der Pufferplätze ableiten. Das Verwiegen der Produkte am Agilox ist eine weitere Prüfinstanz, sodass die richtigen Produkte eingelagert werden. Sollten sich die Gegebenheiten durch eine neue Anlage mal verändern, können die Workflows schnell angepasst werden. Das Gerät kann sich auf engstem Raum bewegen, was Phantasie für Workflows auf teuren Produktionsplätzen und reduzierten Logistikflächen ermöglicht. Der Boden muss allerdings perfekt sein. Technisch beeindruckend ist, dass das intelligente Guided Vehicle neben normalen Transporten auch selbständig Schranken, Tore und Stockwerke überwindet.

Vision von maximaler Flexibilität

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Erhaltung der Flexibilität. Heimbuchner hat seine Vorstellung von den Produktionshallen der Zukunft. „Da sehe ich nicht mehr Linien, die permanent wo stehen, sondern Aggregate, die aneinandergereiht werden. Ich denke, soweit sind wir zeitlich gar nicht mehr entfernt. Die physische Logistik darf dabei nicht zum Show-stopper werden. Das Produktionsumfeld muss maximal flexibel gehalten werden und darf nicht durch Fördertechnik verbaut werden.“

Autor:
Verein Netzwerk Logistik (VNL Österreich)
Wolfernstraße 39
4400 Steyr
Tel. +43 (0)7252-98281-6101